["Musik Challenge" - Januar: "DEIN SONG 2011"]

Mittwoch, 11. Januar 2012

[via]

Beim surfen auf meinen abonnierten Blogs bin ich auf eine sog. "Musik Challenge" gestoßen. Die Idee dafür hatte Alex a.k.a. Verbalakrobat und ich fand sie klasse! Auf vielen Blogs, die ich lese, geht es (fast) nur um Fashion und Styling, um teure Ringe, die angesagtesten Designerhandtaschen, ausgefallene Ohrringe und den Nagellack des Monats. Ich will nicht sagen, dass es mich nicht interessiert, sonst würde ich diese Blogs nicht lesen. (Da ich wenig Ahnung von Mode und Kosmetik habe, freue ich mich, wenn ich mir dort Anregungen holen kann.) Aber für Luxusartikel fehlt mir das nötige Kleingeld, für ausgefallene Ohrringe die Ohrlöcher und Nagellacke habe ich mehr als genug. (Kann man von sowas zu viele haben? Nun, das ist eine andere Geschichte!) 
Zur Abwechslung finde ich diese Aktion sehr erfrischend. Außerdem denke ich, dass sie ganz gut in mein Blogkonzept passt (ich tu jetzt einfach mal so, als hätte ich eins :p)
Alex gibt jeden Monat ein Thema vor und man schreibt dann dazu etwas. Es geht selbstverständlich immer um Musik, Bands, Künstler usw. Im Mittelpunkt soll allerdings ein bestimmter, zum Thema passender Song stehen. In diesem Monat lautet das Thema:


Es klingt so leicht, aber das ist es wirklich nicht. Ein Jahr ist, was Musik angeht, eine lange Zeit. Ich könnte jetzt gucken, welches Lied ich 2011 am häufigsten gehört habe, aber die Quantität allein sagt in diesem Fall nicht unbedingt etwas über die Bedeutung aus. Ich habe viel hin und her überlegt, und mich entschieden. Mein "Song 2011" ist ohne Zweifel...:

Jupiter Jones - Still


"Still" kam im März raus und verbreitete sich über die Radios, wie die Pest! Irgendwann dudelte der Song auf jedem erdenklichen Radiosender. Rauf und runter! Zunächst nahm ich das Lied wahr und fand es okay, aber es interessierte mich nicht weiter. Dann fing es an, mich zu nerven, eben weil es im Radio so totgespielt wurde. Morgens weckte mich mein Radiowecker damit. Mittags, wenn ich manchmal den Radiosender heimlich verstellte, um nicht beim essen den Klängen des "Hausfrauensenders" lauschen zu müssen (NDR 1 und NJOY liegen direkt beieinander, was sich perfekt als Ausrede eignet: "Oh, ich bin vorhin versehentlich ans Verstellrädchen gekommen. UPSI!!"), lief der Song. Nachmittags, wenn mir die Stille (wahaa, was ein Zufall!) bei meiner Diplomarbeit zu ätzend wurde. Abends, wenn ich im Bett noch ein bisschen Radio hörte, bevor ich zum Einschlafen "Bibi Blocksberg in Amerika" anstellte. Rauf und runter! Bis ich das Lied irgendwann automatisch nicht mehr wahr nahm. Bis zum Ende des Novembers, als ich plötzlich begann, die Zeilen aus einer anderen Perspektive zu betrachten:
Am 25. November 2011, es war ein Freitag, stand ich am späten Nachmittag wie in Trance vor meinem Kleiderschrank und zog wahllos ein paar Jeans und ein Shirt heraus (Den ganzen Tag hatte ich meine Schlafklamotten getragen), als das Radio mal wieder "Still" spielte. 

"So still, dass alle Uhren schwiegen,
ja, die Zeit kam zum erliegen,
so still und so verloren gingst du fort"


An dem Tag kam für mich tatsächlich die Zeit zum erliegen. Als ich morgens bei meiner ersten Tasse Kaffee wie gewohnt meine E-Mails checkte, erhielt ich eine schockierende Nachricht aus den USA: Bereits bei dem Betreff "Our beloved Jane" löste bei mir einen Herzstillstand und eine darauf folgende Endlosschleife von "Nein!"s aus. (Bei meiner ehemaligen Gastmutter wurde im Mai 2010 Gallengangs-/Leberkrebs festgestellt. Zwar galt sie im März 2011 als krebsfrei, aber leider brach der Krebs im Oktober wieder aus.) Jane war ganz plötzlich am Mittwoch (zu deutscher Zeit in der Nacht zum Donnerstag) gestorben. Ich brach in Tränen aus während ich die Nachricht las und schrie nun die "Nein"s. Stundenlang konnte ich nicht aufhören zu schreien und zu weinen.

"So laut, die Stunden nach dem Aufschlag als es galt, 
dass alles, zu erfassen und verstehen und es war, 
so laut, dass alles was wir dachten nichts als Leere zu uns brachte, 
so laut und so verloren war es hier, 
als Stille bei uns wohnte anstatt Dir."

Ich flog nach Boston zu Janes Beerdigung und Trauerfeier und stellte fest, diese Stille war tatsächlich in das Haus meiner Gastfamilie eingezogen. Janes Söhne, die Drillinge (10 Jahre alt), zogen direkt zu ihrem Leiblichen Vater, dem Exmann meiner Gastmutter. Nun leben in diesem großen Haus nur noch die kleine Kate (4 Jahre alt) und mein Gastvater. Und die ungewohnte, unangenehme Stille, die das alles hinterlassen hat.

Seit diesem besagten Freitag sehe ich das Lied mit anderen Augen. Plötzlich hatte es eine Bedeutung für mich, einen Bezug zur Realität. Und plötzlich lief es auch wieder rauf und runter. Aber es stört mich nicht mehr, im Gegenteil. Auch wenn ich innerlich jedes Mal kurz zusammenzucke, wenn der Song gespielt wird, und ich dann die 3:55min gegen meine Tränen kämpfen muss, ich schalte nicht mehr weg, sondern höre hin.


"So still, obwohl ich dich mit jedem Tag vermiss` 

und wo immer du auch gerade bist,
du zeigst mir, dass Stille jetzt dein Freund geworden ist."

Kommentare:

  1. jupiter jones ist wirklich klasse, kannte ich auch schon vor dem riesenhit, bin aber dadurch wieder draufgestoßen und bin auch so begeistert :)
    ich mag deine einstellung zu blogs - auch wenn ich jetzt nicht genau weiß, unter welcher kategorie du meinen einordnen würdest - aber ich mag deinen. liebe grüße :)

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  2. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Still ist ein Lied, welches ich irgendwie nie richtig wahrgenommen habe. Bis zu dem Tag, an dem Andis Stiefmutter gestorben ist & ihr letzter Wunsch ausdrücklich war, dass dieses Lied als eines von drei Liedern auf ihrer Beerdigung gespielt werden sollte. Erst dann habe ich wirklich auf den Text geachtet und muss seitdem immer an sie & diese schreckliche Beerdigung denken, wenn ich das Lied höre.

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  3. Jetzt hat das Lied eine andere Bedeutung. Mit Tränen in den Augen.

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  4. Ein trauriger, aber doch sehr schöner Post! Ich bin auch erst gegen Ende des letzten Jahres durch eine konkrete Situation auf dieses Lied gestoßen und nun ist es für mich ebenfalls voller Erinnerungen.

    Liebe Grüße, Leni

    P.S.: Dein Blog gefällt mir sehr, vor allem, dass er nicht nur aus Bildern, sondern auch aus viel Text besteht!

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  5. Ein wunderschöner Post, wenn auch eben etwas traurig. Aber es zeigt, dass dir dieses Lied verdammt viel bedeutet - für mich war "Still" eben nur ein Lied, was ich gemocht habe und immer wieder im Radio lief, mehr nicht. Durch solche Erlebnisse, wenn auch in deinem Falle traurige, kann uns so ein Lied sehr berühren (ich kenne da auch eines).. danke für die Teilnahme am Projekt, einfach richtig gut. Ich sollte überlegen, das Bild, welches du hier für die Themanennung nimmst, auch immer als Ankündigung zu verwenden ;) Wenn man, so wie ich, den Text langsam und sorgfältig mitliest, passen die Textstellen auch immer gerade zum echten Song. Verblüffend. Verlinken werde ich dich dann auch noch!

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  6. Vielen Dank fürs Verfolgen, für das Kompliment und den ausführlichen Kommentar!

    Du hast Recht, es hängt häufig vom Lehrer ab. Ich hatte in der Oberstufe großes Glück mit meiner Mathelehrerin, sie hat uns viel beigebracht und war wirklich kompetent. Da ich dieselbe Lehrerin auch schon in der 5./6. Klasse gehabt hatte, hat es damals bei ihr auch schon viel Spaß gemacht.
    Was Politik angeht, geht es mir übrigens ähnlich wie dir: Zu Schulzeiten hat es mich so gar nicht interessiert. Mittlerweile tut es das aber doch ein wenig.

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  7. Weißt du was, anja? Das geht mir genauso mit dem followen :O ich dachte ich followe dich schon längst und irgendwie wohl auch doch nicht. aber das hatte ich schon öfter in letzter zeit mit freundinnen die blogs haben, und wo ich nie als leser angezeigt wurde :O und dann bestimmt 3-4 mal geklickt habe, bis das endlich mal ging! -.-

    naja, jetzt hat es hoffentlich geklappt! und du ärmste, seit neujahr schon? hoffentlich hilft das antibiotikum! so weit ist es bei mir gott sei dank nicht, es hat sich bei mir vorher einfach nur immer verschleppt und ist jetzt ausgebrochen - bin noch total schlapp und so, aber es geht bergauf - außer die halsschmerzen, die wollen trotz heißer zitrone und co. nicht weggehen und ich fühle mich kratzig in der stimme :/ hoffentlich verlässt sie mich nicht :D

    gute besserung wünsche ich auch dir :)

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  8. ich könte mich garnicht für nur ein lied entscheiden!

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Hey, ich freue mich immer sehr über Feedback und ein paar nette Worte, gerne auch negative (konstruktive!) Kritik. Also raus damit! :)
Was ich allerdings nicht leiden kann, sind (anonyme) Beleidigungen, die werden gar nicht erst veröffentlicht. Ebenfalls unveröffentlicht gelöscht werden Anfragen auf "gegenseitiges Folgen" oder Einladungen zu Blogvorstellungsaktionen und Gewinnspielen, die nur dazu dienen Follower zu sammeln.