[Germany's Next Supernanny]

Dienstag, 14. August 2012

Gestern kam sie, die Nachricht, auf die ich seit genau acht Wochen (ungeduldig wie ein Kind vor der Bescherung an Weihnachten) wartete. Ich saß gerade mit Asta und Andi in der U-Bahn auf dem Heimweg, als meine Eltern mich abends nach ihrer Rückkehr einer Tagestour mit ihrem Kegelclub anriefen. "Du hast Post....". Die Frage "Von der Uni?!" war im Grunde überflüssig. "Sollen wir den Brief öffnen?" Hm och nö, also wenn es um das Ergebnis meiner Diplomarbeit geht bin ich absolut ruhig und kann auch noch 1 1/2 Tage warten, bis ich wieder daheim bin. Ich mein, so wichtig ist ein Diplom ja jetzt auch nicht. Verdammt "Ja!!" natürlich. Meine Mutter reichte den Hörer weiter an meine Vater, der dann begann, mir den Brief vorzulesen. Inklusive Datum, Ort, Anrede und so weiter. Im Schneckentempo. Keine Ahnung, ob es an seiner deutlich hörbaren Angetrunkenheit lag (wie das halt so ist, nach einer Kegeltour :D ), oder ob er seine Tochter einfach nur quälen und es spannend machen wollte. Wär ich vor Ort gewesen, hätte ich ihm den wisch jedenfalls längst entrissen. "Papa komm zum Punkt!" Das half, denn ruckizucki hatte ich erfahren, dass ich meine Diplomarbeit bestanden habe. Aber das war nicht alles, Papa lallte weiter in Zeitlupe: "Ihre Diploooomarbeit wurde wie Folgt bewertet...(gefühlte 3 Stunden Pause)...Erstgutachten. Frau Doktor Silke..." Ernsthaft? "Papa ich weiß, wie meine Gutachterinnen heißen, sag einfach die Note!". Es folgten wenige Sekunden (gefühlte Stunden) Stille, in der ich panisch Stoßgebete in den Himmel schickte, dass es bitte keine 4,0 und möglichst keine 3 vor dem Komma geworden ist, während mein Papa vermutlich angestrengt die Augen zusammenkniff um die Dezimalzahl neben der Erstgutachterin zu entziffern. "Eins-komma-sieben!" NEIN! Vorsichtig fragte ich nach dem Zweitgutachten, denn ich wusste, dass die Zweitgutachterin recht streng benotet. Doch meine beiden Gutachterinnen waren sich einig und die Note meiner Diplomarbeit tatsächlich eine 1,7! Jetzt sitze ich hier und kann es noch immer nicht glauben. Vermutlich erst dann, wenn ich den Brief der Uni selbst in den Händen halte. 
Woohoo & jippieyeah!
Danke für das Bild, Andi!

[Ganz neue Ansichten]

Montag, 13. August 2012


Ich bin weitsichtig. Zumindest sagte mir das meine Augenärztin vor ca. 5 1/2 Jahren und schickte mich zum Optiker, um mir eine Lesebrille zu besorgen. Gesagt, getan und damit fühlte ich mich seither immer auf der sicheren Seite. Bis zu meiner Diplomarbeit. Irgendwann in einer Schreibpause stand ich auf dem Balkon, schaute auf den Wald in der Ferne und stellte fest: Scharf ist was anderes! Vor allem auf dem linken Auge hatte ich Probleme, die einzelnen Blätter der Bäume zu unterscheiden. Ich sah einfach nur noch einen grünen Haufen. "Das ist sicher die Anstrengung!", meine meine Mutter. Immerhin starrte ich von früh morgens bis spät abends auf einen Bildschirm oder in meine Bücher. Also beschloss ich, vorerst nichts zu unternehmen. Nach der Abgabe würden sich meine Augen schon beruhigen. Und für nen neuen Termin bei meiner Augenärztin fehlte mir eh die Zeit.

Nach der Abgabe meiner Diplomarbeit war die zurückerlangte Freiheit erst mal wichtiger. Sehen wird  eh allgemein überbewertet. Manchmal ist es sogar von Vorteil, wenn man nicht richtig erkennen kann, wer oder was einem da so alles entgegen kommt. Und irgendwann war es so, wie es immer ist: Man zieht in ein Haus in der Nähe von Bahngleisen und die Züge nerven tierisch. Da man aber nicht  einfach hingehen kann und sagen kann "Ey stopp ihr Züge, jetzt ist aber mal gut!", findet man sich damit ab, bis man sich so sehr daran gewöhnt hat, dass es einem gar nicht mehr bewusst auffällt. So ist es mit meinen Augen. Genau so, wie ich die Züge nicht mehr höre, merkte ich irgendwann von der Sehschwäche nichts mehr. 

Dann machte ich mich auf den Weg nach Hamburg (zu den Besten! Asta und Andi), wo ich plötzlich und total knallhart wieder auf den Boden der Tatsachen geholt wurde (bzw. mir gezeigt wurde, wie schön still es ist, wenn man nicht neben den Bahnschienen wohnt): Wie es halt so ist, wenn jemand eine extrem stylische Brille trägt, muss ich unbedingt ausprobieren, ob sie mir steht. Da ich angeblich ein totales Brillengesicht habe ist das "Ja, sau gut!" selbstverständlich vorprogrammiert. Doch mein Aussehen würde sofort zur Nebensache. Meine Aussicht war um einiges interessanter. "Verdammt, ich kann sehen!" Ich konnte meinen Augen im allerwahrsten Sinne nicht glauben! Ich konnte tatsächlich sehen, in HD! Andi, der seine Stärke natürlich kennt, konnte mir also versichern, dass ich keine Sehschwäche, sondern sehr vermutlich eine Hornhautverkrümmung hätte.
Einen Tag später kehrten Asta und ich spontan bei Fielmann ein, wo ich einen Sehtest machte. Tatsächlich: Hornhautverkrümmung und leichte Kurzsichtigkeit. Das bedeutet: Eine neue Brille muss her. Ein netter Verkäufer fragte mich nach meinen Vorstellungen und nach ein paar Angaben, schickte er mich zu den "nördigen" Regalen. Nachdem ich gefühlte 1000 Brillen anprobiert hatte (das mit dem Brillengesicht vergessen wir ganz schnell mal wieder!), durfte ich meine Favoriten für ein paar Tage zur Anprobe mitnehmen. Jetzt muss ich mich entscheiden. Vier Brillen, ein Gesicht und absolut keine Ahnung, welche die Brille ist. Ein bisschen Zeit zum Grübeln habe ich aber noch. Und dann bin ich bald Mitglied im Club der Brillenschlangen. 

Danke für die Fotos, Andi!